Erst dachte Laura S., es ginge um Liebeskummer. Ihr Freund, von dem sich die 30-Jährige frisch getrennt hatte, schickte ihr immer wieder E-Mails oder rief an – und ließ sie wissen, wie sehr er ihr nachtrauerte. Nach einigen Wochen wurden die Nachrichten häufiger – und wirrer. „Mal überhäufte er mich mit Komplimenten, dann beschimpfte und bedrohte er mich bis aufs Schlimmste“, sagt die Projektleiterin. Bis zu 30 E-Mails bekam sie in der Woche, immer wieder stand der Ex vor der Tür oder lief ihr „zufällig“ über den Weg. Nicht nur sie, auch ihr neuer Freund erhielt Nachrichten, einmal schrieb ihm sein Vorgänger, dass er eine Waffe habe und ihn erschießen würde. Da wusste Laura S. schon länger, dass sie es mit einem Stalker zu tun hatte.
Der englische Begriff „Stalking“ kommt aus der Jägersprache und bedeutet „sich anpirschen“ oder „anschleichen“. Noch bis Anfang der neunziger Jahre wurde das Synonym ausschließlich im Zusammenhang mit Prominenten oder Personen des öffentlichen Interesses benutzt. Im Jahr 1993 machte ein aufsehenerregender Fall das Phänomen bekannt, als der Stalker von Tennisspielerin Steffi Graf deren Konkurrentin Monica Seles niederstach. In Hannover war zuletzt ein aufdringlicher Verehrer der früheren Miss Niedersachsen Gianna Rose zu einer Geldstrafe verurteilt worden.
Doch gerade im vergangenen Jahrzehnt sei klar geworden, dass auch Normalbürger „in beträchtlichem Ausmaß“ vom Stalking betroffen sind, wie Andrea Sieverding, Präventionsexpertin beim Landeskriminalamt weiß. So gab es in Niedersachsen im vergangenen Jahr knapp 2700 Anzeigen wegen Stalkings, davon fielen 436 angezeigte Taten in den Verantwortungsbereich der Polizeidirektion Hannover.
Stalking-Opfer aus Hannover leidet unter Psychoterror Aus der Stadt Hannover / HAZ – Hannoversche Allgemeine.
