Das Bundeskabinett hat gestern beschlossen, von Ende 2012 an ein bundesweites Hilfe- und Beratungstelefon für Frauen zu schalten, die Opfer von Gewalt geworden sind. Im Nordosten stößt das Vorhaben des Bundesfamilienministeriums allerdings nicht nur auf Zustimmung. “Wir sind sowohl erfreut als auch enttäuscht”, sagte gestern Rainer Becker, Regionalbeauftragter Nord der Deutschen Kinderhilfe.
Seine Erläuterung: Einerseits sei es zu begrüßen, dass ein Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen und Mädchen bundesweit geschaltet werden soll. Die Statistiken würden zeigen, dass Mädchen ab zwölf Jahren drei- bis viermal so häufig von häuslicher Gewalt betroffen seien wie Jungen. Andererseits gebe es aber in Mecklenburg-Vorpommern bereits einen hohen Standard bei der Rettungskette besonders für Kinder. Als erstes Bundesland habe MV eine eigene Kinderschutz-Hotline geschaltet und damit große Erfolge erzielt. “Die Inobhutnahmen von gefährdeten Kindern durch die Jugendämter hat sich seither nahezu verdoppelt”, berichtet Rainer Becker. Aus seiner Sicht wäre es deshalb sinnvoller gewesen, zunächst eine bundesweite spezielle Kinderschutz-Hotline zu schalten. “Kinder können sich nicht selbst helfen. Sie sind darauf angewiesen, dass andere für sie anrufen.”
