Susanne Schumacher ist Leiterin der Stalking-Opfer-Hilfe Berlin. Mit Nicole Dolif sprach sie darüber, warum Stalking die Opfer so belastet und wie sie sich wehren können.
Berliner Morgenpost: Meistens sind es Frauen, die von einem Stalker verfolgt werden. Welche Schäden richtet das oft jahrelange Nachstellen an?
Susanne Schumacher: Jedes Opfer reagiert natürlich anders. Aber ausgeliefert fühlen sie sich alle. Das Verhalten des Stalkers ist für das Opfer nicht nachvollziehbar. Es weiß nicht, wann der Verfolger wieder auftaucht und was er tun wird. Die ganze Situation ist hoffnungslos. In der Beratungsstelle treffe ich immer wieder auf Frauen, deren Wunsch unsichtbar zu werden so stark ist, dass sie immer dünner werden. Andere leiden unter Schlafstörungen oder Depressionen, manche quälen sich auch mit der Frage, warum ausgerechnet ihnen das passieren muss.
Berliner Morgenpost: Der Übergang von einem hartnäckigen Verehrer zu einem Stalker scheint fließend. Ab wann würden Sie von Stalking sprechen?
Susanne Schumacher: Von dem Moment an, in dem es das klare Signal ‘Nein, ich will das nicht’ gegeben hat. Der hartnäckige Verehrer hört dann meistens zähneknirschend auf, der Stalker nicht. Er findet Gründe, um weiter zu machen.
Berliner Morgenpost: Wie kann das Umfeld ein Stalking-Opfer unterstützen?
Susanne Schumacher: Wichtig ist, dass das Umfeld signalisiert: Ich bin für dich da, stelle dich nicht in Frage und gebe dir keine Schuld. Denn genau das tun viele Opfer: Sie suchen die Schuld für die Situation bei sich. Vielen Opfern hilft es, wenn sie zunächst zu einer Beratung gehen. Dort sitzen Experten, die das weitere Vorgehen besprechen. Das ist manchmal besser, als gleich zur Polizei zu gehen. Denn Stalking ist ein Straftatbestand, das heißt, die Beamten müssen sofort anfangen zu ermitteln. Und das könnte eine angespannte Situation noch weiter anheizen, anstatt sie zu entspannen. Es kommt eben darauf an, mit was für einem Typus Stalker man es zu tun hat.
