Wirtschaftswachstum hui, Wohlbefinden pfui. So könnte man die momentane Lage hierzulande griffig zusammenfassen. Denn der psychische Preis für Exportrekorde und Beschäftigungsoffensiven ist hoch. Laut der repräsentativen Langzeituntersuchung „Die Ängste der Deutschen“ sind die Sorgen im vergangenen Jahrzehnt deutlich angestiegen. Bedenklich ist auch, dass viele junge Menschen davon betroffen sind. „Absturz-Panik der Generation Biedermeier“ lautet etwa das Fazit des Meinungsforschungsinstituts Rheingold aus seinen Studien-Interviews mit 100 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren: „Die Vorstellung eines permanent drohenden Absturzes hetzt die Jugendlichen vor sich her und motiviert sie dazu, sich dagegen aufzurüsten und zu schützen“, bilanziert der Abschlussbericht. „Angesichts einer als zerrissen, brüchig und wenig tragfähig erlebten Lebenswirklichkeit, sehnt sich die Jugend in erster Linie nach Stabilität.“
Doch immer mehr Menschen misslingt es, diese Sicherheit dauerhaft zu finden. Fachleute beklagen seit Jahren eine stetige Zunahme von psychischen Erkrankungen. Seit 1990 hat sich die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund solcher Störungen fast verdoppelt. Inzwischen leiden daran jedes Jahr rund 30 Prozent der Erwachsenen und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland; besonders verbreitet sind Depressionen, Ängste, Süchte und psychomatische Beschwerden. Dr. Joachim Galuska, der Ärztliche Direktor der Psychosomatischen Kliniken in Bad Kissingen, ist deshalb gemeinsam mit einigen Kollegen im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gegangen. Sie gründeten die Initiative zur psychosozialen Lage in Deutschland und haben für ihren Aufruf innerhalb weniger Wochen mehr als 2.000 Unterstützer gefunden.
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