Gertrud K. aus Syke wusste nicht mehr weiter. Die Rentnerin wurde im vergangenen Jahr überfallen. Handtasche weg, Geld weg. Geblieben ist der Schrecken, der bis heute tief sitzt, weiß Werner Käding vom Weißen Ring im Landkreis Diepholz zu berichten. „Für Menschen wie sie sind wir da, leisten immaterielle Erste Hilfe, reden mit ihnen“, betont der Diepholzer Außenstellenleiter. Er und sein Team haben am „Tag der Kriminalitätsopfer“ Bilanz über die Aktivitäten des Vereins gezogen.
Die neun Berater des Weißen Ringes im Kreis arbeiten alle ehrenamtlich und unterstützen die Opfer von Kriminalität, aber auch deren Familien dabei, die Folgen einer Straftat zu bewältigen. „Dabei geht es weniger um diejenigen, die sich etwa beim Autokauf betrogen fühlen, sondern um Menschen, denen beispielsweise Gewalt angetan wurde“, erklärt Käding der „Zuständigkeitsbereich“ seines Vereins. Die Beratungen sind kostenlos und vertraulich. In der Regel erfolgen sie zunächst via Telefon.
„Wir haben im vergangenen Jahr etwa 70 bis 80 Leute unterstützt“, bilanziert Werner Käding. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen, lediglich ein Drittel Männer wagen den Griff zum Hörer. Dabei sind Käding zufolge alle Altersstufen dabei.
Bei einigen Personen war intensive Unterstützung nötig, anderen sei bereits mit einem Telefonat geholfen gewesen, erinnert sich der Außenstellenleiter. „Rund drei Mal in der Woche nehmen Opfer zu uns Kontakt auf, die sich auf dieses eine Gespräch beschränken“, so Käding. In schwereren Fällen tritt das Opfer etwa zehnmal im Jahr an den Verein heran, um sich Hilfe zu holen. Die praktischen Hilfen des Teams reichen von Informationen über Beratungsschecks für den Anwalt bis hin zur Begleitung zum Prozess. „Ich habe aber auch schon spontan mein Sofa als Nachtquartier zur Verfügung gestellt, weil ein Mädchen nach Schlägen nicht mehr zurück in ihre Familie wollte“, berichtet Wilfriede Wienberger.
Die Helfer im Hintergrund – Landkreis Diepholz – Lkr. Diepholz – Lokales – Kreiszeitung.
