RHEIN-ERFT – Herr Heikhaus, Sie organisieren seit 14 Jahren die Hilfe des Weißen Rings im Kreis. Wen betreut der Weiße Ring im Kreis, und wer wendet sich an Sie?GERD HEIKHAUS: Wir haben im vergangenen Jahr in rund 100 Fällen Hilfe geleistet. Häusliche Gewalt haben viele der Opfer erlitten, rund ein Fünftel der Menschen sind Opfer von Sexualdelikten. Aber es gibt auch nicht wenige, die nach Einbrüchen und haben, die sie verfolgen.
Zu lesen ist immer wieder von äußerst brutalen Tätern. Ist es ein Bild der Medien, dass die Fälle brutaler werden, oder deckt sich das mit ihren Erfahrungen?
HEIKHAUS: Ich arbeite im 14. Jahr für den Weißen Ring. Seitdem erlebe ich, dass jugendliche Täter immer brutaler vorgehen. Die Fälle an sich sind nicht mehr geworden. Was zunimmt, sind Jugendliche, bei denen es keine Sicherungen mehr gibt.
Woran könnte das liegen?
HEIKHAUS: Schwer zu sagen. Ich denke, es ist eine Frage mangelnder Erziehung und fehlenden Respekts, vor Menschen und vor Sachwerten. Es gibt alles zu kaufen, zu googlen, zu sehen, zu haben – da sinkt die Achtsamkeit, es gibt mehr Menschen, die mit Mitmenschen umgehen wie mit Sachen.
Was kann der Weiße Ring leisten, was nicht?
HEIKHAUS: Finanziell sind unsere Ressourcen begrenzt, zum Beispiel wenn es um Ferienfreizeiten geht. Da können wir nur noch den ganz schweren Fällen helfen. Bei den vielen Opfern von häuslicher Gewalt sind uns personell mit unseren zehn gesetzt. Wir sind auch keine Psychologen, die Betroffene therapieren – was wir leisten können, sind Gespräche und Vermittlungsdienste. Zum Teil begleiten wird die Opfer über Monate und Jahre hinweg.
„Nie provozieren, freundlich bleiben“ – Kölner Stadt-Anzeiger.
