Wieder einmal hatte es Ärger gegeben, und wieder einmal war sie handgreiflich geworden. Sie stand im Türrahmen – mit einem Messer in der Hand. Dann schrie sie ihn an: “Willst du mich loswerden oder soll ich mich umbringen?” Michael* berichtet von seiner letzten Beziehung. Regelmäßig habe ihn seine Freundin geschlagen, angegriffen, mit Gegenständen beworfen oder in den Arm gebissen.
Michael ist kein Einzelfall. Soziologischen Studien zufolge geht von Frauen mehr Gewalt aus, als gemeinhin angenommen wird. Zwar ist das Ausmaß der Tragödie in Lörrach, bei der es sich nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich um eine Beziehungstat handelt, eine Ausnahme. In den seltensten Fällen gehen Frauen so weit wie Sabine R., die erst ihren Mann und ihren fünfjährigen Sohn tötete und anschließend Amok lief. Doch die Tat der 41-jährigen Rechtsanwältin ist Zündstoff für eine in den Hintergrund gerückte Debatte: Ist Gewalt in der Partnerschaft wirklich reine Männerdomäne?
Einige Statistiken sprechen dafür: In Berlin beispielsweise wurden 2009 insgesamt 16.285 Fälle häuslicher Gewalt registriert, 76 Prozent der Tatverdächtigen waren männlich. Eine aktuelle Erhebung des baden-württembergischen Innenministeriums hat aber auch ergeben, dass immer mehr Frauen gegen ihre Partner handgreiflich werden. Gab es 2005 noch 336 weibliche Tatverdächtige, stieg ihre Zahl 2009 auf 1038.
Weibliche Übergriffe: Die verdrängte Gewalt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft.
