„Ich bin gestolpert. Ich bin doch immer so ein Tollpatsch.“ – Solche klischeehaften Sprüche hört man – wenn auch nur im Fernsehen – immer wieder, wenn Frauen versuchen zu verbergen, dass ihr Partner sie schlägt. Doch hinter diesem harmlosen Satz kann sich ein schreckliches Schicksal verbergen.
Häusliche Gewalt gegen Frauen findet meistens hinter verschlossenen Türen statt, unbemerkt von der Gesellschaft. Diese Gewalt gilt auf der ganzen Welt als eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen von Frauen. Unter den Gesundheitsrisiken für Frauen wird häusliche Gewalt vor Verkehrsunfällen und Krankheiten wie Krebs genannt.
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ haben in Deutschland etwa 25 Prozent aller Frauen bereits körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner erdulden müssen.
Betroffen sind Frauen aller Alterstufen und Konfessionen und aus allen sozialen Schichten. Dies bestätigt auch die Studie „Gewalt in Paarbeziehungen“, die Familienministerin Ursula von der Leyen im März 2009 vorgestellt hat. Die Studie zeigt, dass nicht nur Frauen in sozialen Brennpunkten von ihrem Partner gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt werden, sondern dass auch in mittleren und höheren Sozial- und Bildungsschichten mehr Frauen als gedacht zu Opfern männlicher Gewalt werden.
Was ist häusliche Gewalt?
Unter dem Begriff ‘häusliche Gewalt’ versteht man im Allgemeinen, wenn es in Beziehungen oder Familien zu Gewaltanwendungen kommt. Zu den Tätern gehören hauptsächlich Männer, die vor allem Frauen, aber auch Kinder schlagen, misshandeln und demütigen.
Häusliche Gewalt reicht von Beleidigungen, Demütigungen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen über Schläge, Tritte und Vergewaltigungen bis zu Totschlag und Mord.
Es gibt unterschiedliche Formen von häuslicher Gewalt. Neben der körperlichen und sexuellen Gewalt leiden die betroffenen Frauen besonders unter der psychischen Gewalt. Hierbei werden die Opfer bedroht, beleidigt, erniedrigt, gedemütigt, isoliert, kontrolliert und in der Öffentlichkeit bloß gestellt.
Häusliche Gewalt kann auch ökonomischer Natur sein, wenn ein Mann zum Beispiel Macht ausübt, indem er allein über das Geld verfügt, verhindert, dass seine Frau arbeiten geht oder absichtlich Dinge zerstört, die seiner Frau wichtig sind.
Zur häuslichen Gewalt gehört auch die soziale Gewalt. In dem Fall trifft der Mann beispielsweise alle Entscheidungen, lässt sich bedienen, betrachtet die Frau als sexuell verfügbar, sperrt sie ein und verhindert soziale Kontakte. Die verschiedenen Formen der häuslichen Gewalt sind nicht separat zu betrachten, sondern treten häufig zusammen auf.
Die Folgen häuslicher Gewalt
Nach Birgit Fischer, der Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie in Nordrhein-Westfalen, gehen Schätzungen davon aus, dass sich Gewalt bei etwa jeder fünften Frau negativ auf die Gesundheit auswirkt. Gerade die psychische Gewalt kann das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit der Opfer zerstören. Sie ist im Gegensatz zur körperlichen und sexuellen Gewalt nicht so leicht nachweisbar.
Die oft jahrelang erlittene Gewalt wirkt sich aber auch im körperlichen, sozialen und ökonomischen Bereich negativ aus. Zu den Folgen zählen zum Beispiel körperliche Verletzungen, psychische Beschwerden, Schlaf- und Angststörungen, Beziehungsprobleme, Suchtverhalten, Depressionen, Selbstmordgedanken und tödlichen Folgen.
Meistens wird die Gewalt über einen langen Zeitraum ausgeübt. Die betroffenen Frauen leiden häufig an einem erschütterten Selbstwertgefühl, sind finanziell vom Partner abhängig oder durch die Kontrolle und Machtausübung des Mannes isoliert. Dies erklärt, warum viele Frauen lange in einer gewalttätigen Beziehung bleiben, was gerade für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist.
Viele Frauen schaffen den Absprung aus einer gefährlichen Beziehung nur über die Flucht in ein Frauenhaus. Frauenhäuser gibt es in Deutschland seit über 25 Jahren, sie gehören zu den wichtigsten Einrichtungen, um Frauen und Kinder vor männlicher Gewalt zu schützen.
Kinder sind in einem gewaltgeprägten Umfeld höchst gefährdet, weil sie auch zu Opfern von Gewalt werden können und sich schon das Miterleben von Gewalt negativ auf ihre Entwicklung auswirkt. Nach Angaben des Kindernotdienstes in Berlin haben Kinder in der Mehrheit der dort behandelten Fälle miterlebt, wie der Vater auf die Mutter losging. Viele waren danach traumatisiert. Manche Kinder mussten sogar den Tod der Mutter mit ansehen oder erfuhren später davon. Kinder, die in ihrer Familie Gewalt erlebt oder beobachtet haben, neigen später dazu, in einer Beziehung selbst gewalttätig zu sein oder Opfer von Gewalt zu werden, womit eine Spirale der Gewalt ins Rollen kommt.
Bei häuslicher Gewalt gegen Frauen können Sie sich an folgende Hotline des BiG, der Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt, wenden: 030-6110300. Weite Informationen erhalten Sie hier: www.big-hotline.de
Hier finden Sie eine Internetseite mit Notrufnummern und Frauenhäusern in Deutschland, der Schweiz und Österreich: www.kinderschreie.de




